Woher kommt der Sauerstoff auf unserem Planeten wirklich?

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Seit unserer Kindheit hören wir, dass die Wälder die „Lungen“ des Planeten sind. Uns wird erzählt, dass gerade Bäume den Großteil des Sauerstoffs auf der Erde produzieren. Doch das stimmt nicht ganz. Ja, grüne Pflanzen erzeugen tatsächlich Sauerstoff durch Photosynthese (indem sie Kohlendioxid aufnehmen und Sauerstoff abgeben), aber die Wälder sind bei Weitem nicht die Hauptquelle dieses lebenswichtigen Gases.

 

Wälder produzieren Sauerstoff, verbrauchen ihn aber auch selbst

Laut Berechnungen von Wissenschaftlern geben alle Pflanzen auf der Erde jährlich rund 150 Milliarden Tonnen Sauerstoff ab. Das klingt zunächst nach mehr als genug. Doch etwa 60 % dieser Menge wird sofort für Prozesse der Fäulnis und Oxidation verbraucht – das heißt, für den Abbau von abgefallenen Blättern, toten Pflanzen und Tieren. Der Rest wird beim Atmen von Lebewesen verwendet.

Schauen wir uns zum Beispiel die tropischen Regenwälder an. Sie gehören zu den lebendigsten und artenreichsten Ökosystemen des Planeten – buchstäblich auf jedem Schritt atmet jemand oder zersetzt sich etwas. Diese Wälder produzieren tatsächlich viel Sauerstoff, verbrauchen ihn aber gleichzeitig in großen Mengen. Im Grunde erzeugen sie genau so viel, wie sie selbst benötigen.

In den gemäßigten Zonen (zum Beispiel Nadelwälder) ist die Bilanz etwas günstiger – hier ist die Artenvielfalt geringer, und ein Teil des Sauerstoffs kann in die Atmosphäre gelangen. Doch auch sie können nicht als die Hauptlieferanten von Sauerstoff für die Menschheit angesehen werden.

Dichter Wald mit hohen Kiefern

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Wer produziert dann den Sauerstoff?

Die Antwort mag überraschen: Die Hauptproduzenten von Sauerstoff auf der Erde sind nicht die Bäume, sondern mikroskopisch kleine Algen, die in Meeren und Ozeanen leben. Es geht um den Phytoplankton – winzige Organismen, die in der Wassersäule schweben. Sie spielen eine Schlüsselrolle für das Leben auf dem ganzen Planeten.

 

Mikroskopische Algen – die wichtigste Sauerstoffquelle

Trotz ihrer geringen Größe produziert der Phytoplankton mehr Sauerstoff als alle Wälder und Landpflanzen zusammen. Er besteht aus einzelligen Grünalgen und Cyanobakterien (Blaualgen), die in enormen Mengen in allen Weltmeeren vorkommen.

Einer der erstaunlichsten Vertreter ist Prochlorococcus, die kleinste photosynthetisch aktive Zelle auf der Erde. Schätzungen zufolge kann dieser winzige Organismus bis zu 20 % des gesamten Sauerstoffs in der Biosphäre erzeugen. Das ist mehr als alle tropischen Regenwälder der Welt zusammen – und das ist nur eine einzige Art innerhalb des Phytoplanktons!

Warum sind Meeresalgen so effizient? Der Grund ist, dass Phytoplankton deutlich mehr Sauerstoff produziert, als er selbst zum Atmen benötigt. Es wird angenommen, dass der gesamte ozeanische Phytoplankton etwa 10-mal mehr Sauerstoff produziert, als er für seinen eigenen Stoffwechsel braucht. Außerdem wird im Meerwasser für den Abbau organischer Substanz wesentlich weniger Sauerstoff benötigt als an Land. Dadurch gelangt rund 40 % des vom Phytoplankton erzeugten Sauerstoffs ungenutzt in die Atmosphäre – und wird vom Wind über den ganzen Planeten verteilt.

Mikroskopische Algen (Phytoplankton)

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Dank Meeresalgen atmet die ganze Welt

Phytoplankton ist ein stiller, unsichtbarer Held. Dank seiner Arbeit wird die Luft selbst in jenen Gegenden der Welt mit Sauerstoff angereichert, in denen es keine eigene grüne Vegetation gibt: in Wüsten, Bergen, auf Eisschelfen und in Megastädten. Ohne ihn könnte das Leben auf der Erde in seiner heutigen Form nicht existieren.

Er nährt nicht nur die Ozeane, sondern sichert auch die Atmung von Milliarden Lebewesen an Land – uns eingeschlossen.

 

Warum ist das wichtig?

Dieses Verständnis verändert unseren Blick auf die Natur. Wenn wir uns um die Wälder kümmern, dürfen wir die Ozeane nicht vergessen. Sogar mikroskopisch kleine Algen spielen eine entscheidende Rolle im Leben unseres Planeten. Deshalb ist der Schutz der Meeresumwelt und ihrer Bewohner ebenso wichtig wie der Schutz der Wälder.

Jedes Ökosystem auf der Erde erfüllt seine Aufgabe. Und die Gesundheit des gesamten Planeten hängt davon ab, wie aufmerksam und sorgsam wir mit der Natur umgehen.